Vögel auf den Lofoten
Unterwegs mit Profi-Wildlifefotograf Nicolas Stettler & Nikon School
Lofoten im Sommer – nicht nur ein Touristenhotspot!
Die Lofoten haben durch die atemberaubende Landschaft besonders auch durch die sozialen Medien einen hohen Bekanntheitsgrad errungen. Besonders zur Hochsaison im Sommer könnte man meinen, dass man als Natur- und Tierfotografierenden deshalb die Region eher meiden sollte. Doch das könnte nicht ferner von der Wahrheit sein. Denn abseits der typischen Instagram-Wanderrouten bieten die Lofoten eine unglaubliche Auswahl an Tierarten und auch landschaftlich gibt es noch so einige unbekannte Juwelen zu finden!
Wir starten die Reise am äußersten Zipfel der Lofoten, dem Inselarchipel Røst. Hier verirren sich nur wenige Touristen. Auf den gut 360 kleinen Inseln gibt es denn für den klassischen Touristen nicht allzu viel zu entdecken. Ein Supermarkt, zwei Restaurants sowie zwei Hotels. Die Polizei ist nur alle paar Tage mal vor Ort. Was zwar ein wunderbares Setting für einen Krimi wäre, ist in echt ein wunderbarer und gemütlicher Start in die Reise.

Denn so gemütlich die Insel auch ist, zum Vögelbeobachten und Fotografieren ist so einiges los! So haben wir hier beispielsweise gute Chancen auf Odinshühnchen, Moorschneehühner und Skuas. Weiter bieten die Inseln auch viele Schmarotzerraubmöwen, und auch Limikolen-Arten sind hier sehr gut vertreten. Immer mal wieder trifft man hier auch Isländische Uferschnepfen an!
An einem Abend besuchen wir schließlich auch die Vogelfelsen von Røst. Von einem kleinen Boot aus haben wir die Möglichkeit, die verschiedenen Bewohner der Felsen bei bestem Licht fotografieren zu können.

Besonders interessant ist dabei ein Granit-Felsen auf der äußersten Insel mit unglaublichen Strukturen. Das lässt selbst mein (nicht ausgeprägtes) Geologie-Herz schneller schlagen! Das liegt aber hauptsächlich auch an den Dreizehenmöwen, Trottellummen und Eissturmvögeln, die in diesem Felsen brüten.
Von der Insel Røst geht es schließlich weiter in Richtung Festland, wo wir auch immer wieder einmal Stopps einlegen, um die fantastische Landschaft der Lofoten einzufangen.

Dabei gibt es aber immer auch Möglichkeiten für spontane Begegnungen mit der einheimischen Tierwelt.
So trifft man an manchen Parkplätzen auch perfekt gelegene Uferschwalben- oder Küstenseeschwalben-Kolonien!
Um möglichst stark von der Mitternachtssonne zu profitieren, werden wir schließlich auch etwas unsere Tageszeiten verschieben. So können wir nicht nur stundenlanges, goldenes Licht genießen – oftmals haben wir die Landschaft auch praktisch für uns!

Teilen werden wir diese dann aber auch mit den Elchen – diese sind besonders nachts an gewissen Stellen recht gut zu finden. Vom Auto aus haben wir dabei die Möglichkeit, diese ungestört (und auch sicher) aus guten Fotodistanzen fotografieren zu können!
Die Elche sollten schließlich aber nicht die größten Tiere sein, die wir auf der Reise fotografieren können. So geht es im Anschluss auf einer Walsafari auf die Suche nach Pottwalen, welche unweit der Küste auf Nahrungssuche gehen.

Auf der Reise im letzten Jahr hatten wir hier besonders Glück und konnten für eine gute Dreiviertelstunde ein Orca- Rudel beobachten. Eine unglaubliche Begegnung, wenn man durch die Gischt der Orcas beim Ausatmen sogar noch nass wird!
Was auf einer Reise an die Küste Norwegens auf jeden Fall nicht fehlen darf, sind die Dreizehenmöwen! Die elegante Möwenart bildet an steilen Felsen kleinere bis riesige Kolonien. Als Kulturfolger brütet die Art mittlerweile aber auch an Hausfassaden, auf Dächern und Straßenlampen. Wir besuchen mehrere dieser Kolonien und können so eine ganze Serie an Fotos von den spannenden (und ziemlich lauten!) Vögeln machen.

Ob im Flug, an einer klassischen Hausfassade oder auf Augenhöhe mit einem natürlichen Nest in einer Felswand – die Möglichkeiten, die wir haben, sind schier endlos!
Gegen Ende der Reise ist mit dem Sterntaucher nochmals ein besonderes Highlight geplant. Diese sind in der Regel eher scheu und sporadisch auf diversen kleinen Moorseen zu finden. Dabei sind die Tiere sehr territorial und verteidigen ihren See gegen fremde Artgenossen. Meinen Kenntnissen (und auch denen der einheimischen Ornithologen und Ornithologinnen) entsprechend besuchen wir aber einen für Skandinavien einzigartigen Ort, an dem gleich mehrere Sterntaucher an einem See brüten! In den letzten Jahren waren das bis zu 14 Paare!

Das Beste dabei? Der Ort befindet sich mitten in einer Siedlung und die Tiere haben sich entsprechend auch ziemlich stark an die Präsenz des Menschen gewöhnt. So können wir hier die üblicherweise scheuen Sterntaucher aus guten Distanzen fotografieren – und das, wenn es das Wetter zulässt, bei perfekten Lichtbedingungen der Mitternachtssonne! Neben den Sterntauchern bietet die Location aber auch sonst einige coole Arten, Reiherenten und Pfeifenten sind auf diesen Breitengraden unsere Stockenten und laufen einem praktisch über die Füße. Rund um den See fliegen Flussseeschwalben, und im umliegenden Moorgebiet ist eine große Sturmmöwen-Kolonie zu finden. An Motiven geht es uns also nicht so schnell aus!
Insgesamt bieten die Lofoten also durchaus mehr als nur die trendigen Wanderrouten von Instagram und Tiktok. Etwas abseits dieser Touristen- Hotspots finden wir eine unglaubliche Artenvielfalt und noch bessere Motive und Geschichten zum Fotografieren. Die Reise ist schließlich auch ideal sowohl für Anfänger:innen wie auch Fortgeschrittene. Ob man sich mit den eher elegant fliegenden Dreizehenmöwen oder den doch etwas herausfordernden Uferschwalben auseinandersetzen möchte – die Lofoten haben für alle etwas dabei.
Vielen Dank an Nicolas Stettler für diesen wunderschönen Beitrag über die Vogelfotografiereise auf den Lofoten.